Gran Canaria ist sehr vielfältig. Nahezu kreisförmig und vulkanischen Ursprungs, wird das Eiland genau in der Mitte vom 1949 m hohen
Pico de las Nieves überragt, dem höchsten Punkt der cumbre, der zentralen Gebirgsregion. Von hier aus führen barrancos - Erosionstäler -
sternförmig zu den Küsten. Calderas - kesselförmige Krater - erinnern an die vulkanaktive Zeit.

Stauseen im Hochland sind für die Trinkwasserversorgung von großer Bedeutung. Rasch wechselt mit zunehmender Höhe die Vegetation.
Kakteen, Orangen- und Bananenplantagen weichen Maulbeer- und Feigenbäumen. Im Frühjahr taucht blühender Ginster die Berge in
leuchtendes Gelb. Und schon ab Mitte Januar umgibt die Mandelblüte manche Dörfer mit einem weißen Blütenmeer.
Einst waren weite Teile der Insel mit Kanarischer Pinie bedeckt. Lorbeerwälder entzogen den Passatwolken Feuchtigkeit, die zu Boden
tropfte und die Insel grün und fruchtbar machte. Es gab eine einzigartige Vegetation, die außerhalb der Makronesischen Inselwelt
(Kanaren, Kapverden, Madeira, Azoren) schon vor 20 Mio. Jahren ausstarb. Erst der Kahlschlag der Spanier, die Holz für den Schiffbau
brauchten, und später die Monokulturen der Pflanzer schädigten das fragile Ökosystem schwer. Inzwischen stehen gut 40 Prozent der Insel
unter Naturschutz, Meerwasserentsalzungsanlagen und Recycling helfen, den enorm gestiegenen Wasserbedarf zu decken.
Wer sich auf sie einlässt, kann die Vielfalt der Insel in vollen Zügen genießen. Beispielsweise auf dem Dach Gran Canarias,
dem Pico de las Nieves. Bei der militärischen Horchstation Los Pechos, deren weiße Radarkuppeln kilometerweit zu sehen sind,
liegen die tollsten Aussichtspunkte. Weite Wälder überziehen die tiefer gelegenen Berghänge im Norden. Teneriffas Teide, Spaniens höchster Berg,
scheint zum Greifen nah. Oft stauen sich Passatwolken an der Cumbre und liegen wie ein dicker Teppich zwischen den beiden Inseln. Da sie selten
höher als 1700 m steigen, bleibt der Süden Gran Canarias ohne Regen, der Norden dagegen ist dank der Niederschläge grün.