Ibizas legendäre Sommernächte werden zum Tag, der Tag verschwimmt vor Augen, getagt wird überall. Unter solcherlei
Vorzeichen schwebt Europas Jugend unverändert zum Dauer-Event ein. Man vergnügt sich in Gay- und Cocktailbars,
tanzt sich in Szenetreffs und Megadiskos die Lunge aus dem Leib, trifft sich nach den relaxenden Stunden am Strand
zu Sundownern und Schaumpartys, zieht sich die Dauerdröhnung ins Trommelfell und die knackigsten Partner unters Laken.
Wer hierher kommt, weiß, was er will und sucht - besinnliche Ruhe ganz bestimmt nicht. Oder doch? Denn auch heute gibt
es noch das »andere«, das beschauliche Ibiza, das einen Besuch zu jeder Jahreszeit lohnt und das mit seinem Zauber aus
Farben, Licht und Gerüchen schon zu Beginn des 20 Jhs.

Ibiza und Formentera bilden ein faszinierendes Inseldoppel, das zu den Balearen gehört und unter dem Begriff Pityusen firmiert.
Schon Karthager, Römer und Mauren fühlten sich hier pudelwohl, während sich die wahre Weltgeschichte an anderen Orten abspielte.
Ibiza und Formentera schwammen allenfalls am Rande mit und öffnen sich demzufolge heute nicht gerade als kulturelle Schatztruhen.
Aus frühzeitlichen Epochen haben sich mancherorts Reste in Form von Hausfundamenten und Gräbern erhalten, die klobigen Wachtürme
an den Küsten legen Zeugnis von den stets befürchteten Piratenattacken zwischen dem 16. und 18. Jh. ab. Auch viele Kirchen tragen
Wehrcharakter; im Zweifelsfall verschanzte man sich im Gotteshaus und wehrte Angriffe der Türken unter dem Zeichen des Kreuzes ab.
Der steten Furcht vor Feindesvorstößen ist die eindrucksvolle Silhouette von Eivissa zu verdanken, der stark befestigten Hauptstadt
Ibizas. Das historische Hügelviertel Dalt Vila schließt mit gewaltigen Mauerverbünden und Bollwerken ab und zählt zum Weltkulturerbe
der Unesco - und das erfüllt alle Insulaner mit Stolz! Wie viele unter ihnen rein ibizenkisches Blut in den Adern haben, lässt sich
kaum ermessen. Offiziell beziffert man die Einwohnerzahl von Ibiza mit rund 100 000, die von Formentera mit etwa 5000 Menschen.
Längst haben viele Auswärtige auf den Inseln eine neue Heimat gefunden, darunter viele residentes aus unterkühlten mittel- und nordeuropäischen
Sphären. Im Juli und August schwitzen sie allesamt um die Wette, zu Jahresbeginn weiden sie sich am Anblick der Mandelblüte und
genießen an manchem Wintertag das Frühstück auf der Terrasse. Der Traum von ewiger Wärme wird allerdings nicht unbedingt wahr:
Wohl dem, der zur Weihnachtszeit eine Heizung im Haus hat - und im Sommer eine Klimaanlage!
Der Natur kommt ein besonderer Stellenwert zu, weite Gebiete stehen unter strengem Schutz. So wie die alten Salinen, die auf beiden
Inseln als Vogelschutzzonen hervorstechen. Am höchsten hinaus geht es auf Ibizas Berg Sa Talaia, einem dicht bewaldeten Buckel von 475 m
Höhe mit phantastischen Freiblicken über Hügel und Meer. Formentera hingegen zeigt sich von wesentlich flacherer Gestalt und ganz auf
Natur geeicht. Im Norden züngeln sich die Strände bis ans vorgelagerte Eiland Espalmador heran, im Osten wirft sich das Hochplateau La
Mola um den Berg Sa Talaiassa bescheidene 192 m auf.