Windige Küsten, wilde Berge und lebhafte Städte, gekrönt von einem majestätischen Vulkan - das ist Teneriffa, die größte Insel der Kanaren.

Die Urlaubsgebiete Los Cristianos und Playa de las Américas im Süden lassen kaum einen Urlauberwunsch offen. In nur 40 Jahren sind hier auf
verkarstetem Land Apartmentanlagen, Hotels, Strände und Freizeitparks mit vollständigem touristischem Angebot entstanden - allerdings um den
Preis, in einem Ausländerghetto zu wohnen. Puerto de la Cruz im Norden war dagegen schon vor 100 Jahren ein Kurbad für betuchte Engländer,
die sich in dem einstigen Hafen der Handelsmetropole La Orotava einquartierten, um so dem trüben Winter daheim zu entkommen. Dort profitieren
Einheimische wie Fremde vom Zusammenleben: Urlauber wohnen in einer gewachsenen Umgebung, Kanarier machen mit ihnen gute Geschäfte.
Will man aber Land und Leute wirklich kennen lernen, muss man sich tiefer auf Teneriffa einlassen. Knapp ein Drittel der 800 000 tinerfeños
lebt heute in der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife, in der hektischer Verkehr und Betriebsamkeit herrschen. Gut gekleidete Menschen,
Shopper mit schicken Einkaufstüten und Businessleute eilen hin und her. Andererseits vergehen im Zentrum keine 100 m ohne eine legere
Cafeteria oder eine gut besuchte Bar. Mittags beginnt die Siesta. Zwischen 13 und 17 Uhr passiert wenig. Doch mit dem Abklingen der
Nachmittagshitze erwacht die Stadt von neuem.
Wer sich dagegen auf dem Land umschaut, den überraschen archaische Strukturen: Bauern, die ihre Esel beladen; alte Männer mit Filzhüten,
die auf der Plaza den Tag verdösen; Frauen in Schwarz bei der Feldarbeit; einfache Hütten, deren Dächer von der Last der Jahrzehnte durchhängen:
ein spartanisches Leben, wie es noch vor 40 Jahren auf ganz Teneriffa üblich war. Zu Beginn des 20. Jhs. wanderten Tausende Tinerfeños nach
Südamerika und Kuba aus, um dem Hunger in der Heimat zu entfliehen. Wer Teneriffa bereist, entdeckt beide Gesichter. Sie machen deutlich,
welchen Wandel die Insel durchläuft. Nicht immer ohne Brüche, wie hohe Jugendarbeitslosigkeit und Spannungen zwischen den Generationen zeigen.
Aber auch unumkehrbar, das bezweifelt hier niemand. Im Gegenteil. Wer eines der traditionellen Feste mit typischen Trachten erlebt, deren Motor
dieselben jungen Leute sind, die während der Woche in Ämtern und Firmen an ihrer Karriere arbeiten, ist davon überzeugt, dass Teneriffa auch
den Sprung ins 21. Jh. mit kanarischer Leichtigkeit gemeistert hat.